Watt war los 5.0
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- Veröffentlicht: 13. Oktober 2026
Endlich wieder soweit! Am 9. Oktober starteten Autos aus Duisburg und Umgebung, aber auch aus Hamburg, um Segelbegeisterte des DSC nach Harlingen an der holländischen Küste zu bringen. Beinahe alle waren auch zeitlich passend am Liegelatz der Mars, eines klassischen Plattbodenschiffes der “braunen Flotte” zum Einschiffen angekommen. Wir hatten erwartet, dass das “Einschiffen” hier eine doppelte Bedeutung bekommen würde, da Regen, Blitz und Donner vorhergesagt waren. Aber das Küstenwetter war der zweiunddreißigköpfigen Crew des DSC wohlgesonnen. Dank der hervorragenden Planung von Marcus konnten nach Leerung des Kofferraums und Bestückung des Schiffes noch letzte Besorgungen gemacht, und die Autos noch vor dem Regen auf dem vorgesehenen Parkplatz abgestellt werden.
Dann begann der gemütliche Abend mit herzlichen Begrüßungen und großem Hallo. Besonders schön war das Wiedersehen der alten und vereinstragenden Freunde Peter Stein, Carsten Kemmling und Jörg Böttcher. Schnell bildeten sich unterschiedliche Gesprächsgruppen. Und wie wir es schon kennen, wurde nun bis tief in die Nacht gelacht, gespielt und erzählt, bis eine angenehme Müdigkeit auch die Letzten in die Koje legte. Gegen kurz nach drei löschte ich die letzten Lichter im Salon, in dem das Lachen, die Geschichten und Gespräche noch nachklangen und sanft und leise zum Teil der Geschichte der Mars wurden.
Aber, wer spät schlafen geht, darf auch früh aufstehen. So waren “morgens um Sieben, wenn die Welt noch in Ordnung ist”, fast alle wieder auf den Beinen. Sonja “kümmerte sich rührend” um eine große Menge Eier, die Jens dann “in die Pfanne haute”. Viele Hände fassten an und zeigten, wie gute Seemannschaft ein opulentes Frühstück mit gutem Kaffee, frischem Brot, frisch gebackenen Brötchen und allerlei Belag und Aufstrichen auf den Tisch zaubern kann.
Bei starkem auflandigem Wind, der die Mars schon am Anlegeplatz kränken lies, überzeugte uns Kapitän Arnold mit einem perfekten Ablegemanöver mit Eindampfen in die Vorspring und sauberen “Ausparken” von seinen Fähigkeiten. Mit sechs bis sieben Beaufort und fast zwei Meter Welle ging es nun zum Ritt auf dem Wattenmeer, bei dem das Schiff ordentlich in Bewegung kam. Da wir weitgehend gegen den Wind unterwegs waren, ließ der Kapitän nur ein gerefftes Groß hochziehen, um den Motor zu unterstützen. Da wir aber in Böhen die acht Beaufort überschritten, schob die Mars auch damit gute Lage, tauchte ordentlich in die Wellen ein und bot uns so auf dem Weg nach Terschelling ein schönes Segelerlebnis. Dabei wechselte das Wetter minütlich zwischen Regen und blauem Himmel mit den schönsten Regenbögen und kontrastreichen Wolkenformationen. Nach dem Anlegen überzeugte sich auch eine Robbe vom ordnungsgemäßen Zustand des Schiffes. Was für ein Service!
Auch auf Terschelling blieb uns der minütliche Wetterwechsel treu, während wir durch das gemütliche, typisch holländische Örtchen bummelten. Einige testeten die gastronomischen Angebote des Ortes, während andere Teile der Gruppe die gesamte Insel erkundeten und wunderschöne Eindrücke einfingen. Die vier jüngsten Crewmitglieder, Tijs, Benne, Moritz und Levi, baten darum, sich einen transparenten Eimer kaufen zu dürfen, um Krebse zu fangen. “Wir erwarten mindestens fünf Krebse”, gab ihnen Marcus mit auf den Weg. Die Jungs gaben sich Mühe - und es wurden sechs, die aber am Ende alle wieder in die Freiheit entlassen wurden.
Nach der Rückkehr ging's auch fröhlich ans Essen machen. Currywurst mit wirklich scharfer Soße und Nudeln, für die Vegetarier auch Soße ohne Wurst, machten satt und gemütlich, vielleicht sogar ein wenig müde. Sympathie und Geselligkeit füllten den Salon trotzdem auf das Angenehmste, wenn auch nicht ganz so lange. Das mit der Müdigkeit ist hier nur eine persönliche Vermutung, da die Gespräche am zweiten Abend deutlich schleppender verliefen, und ich die Lichter noch vor Mitternacht löschen konnte. Ich weiß nicht, mit welchen Traumbildern alle eingeschlafen sind. Ich jedenfalls hatte Ben Hur auf der römischen Galeere im Kopf und auch irgendwie das Gefühl, einen Teil der Strecke gerudert zu sein.
Der ständige Wetterwechsel durchzog auch die Nacht. Mit leisem bis stürmischen Plätschern der Regentropfen, untermalt von leichtem Grollen in den frühen Morgenstunden, wiegte er alle in den Schlaf. Einige Fenster boten dem Regen einen einladenden Spalt, gut festzustellen mit nackten Füßen auf dem Weg zur Toilette. Ansonsten blieb die Nacht ruhig.
West-Terschelling, Sonntag der 11. Oktober, Sonnenaufgang um 8:57 Uhr, um 9:07 Uhr kam die dünne Sichel des zunehmenden Mondes dazu, der zweite und letzte Tag unseres Törns. Smutje Jens und das Frühstücksteam starteten wieder ihr Verwöhnprogramm mit Rührei, Brot, Brötchen und Allerlei, was dankbar angenommen wurde. Die vorläufig letzten Regenschauer fielen aus den Wolken am Horizont. Und während Salon und Kombüse klargemacht und unter Deck die ersten Sachen gepackt wurden, wurde auch die Wolkendecke dünner und der Himmel bereitete sich auf einen sonnigen Rest des Tages vor. Das klappte aber nur zum Teil. Jede Wolke mit mehr oder weniger Regen suchte und fand uns, um sich über uns auszuschütten. Immerhin hatten wir das gereffte Groß und die Fock hoch und den Motor aus. Im Butterfly fingen die Segel Wind und Regen und trieben uns in Richtung Harlingen. Immer wieder erschienen Regenbögen in leuchtenden Farben, gefolgt von der jeweils nächsten Regenwolke, die sich dann wieder freudig über uns ergoss. Gegen Mittag wurden die Lücken zwischen den Wolken größer und stellenweise fanden die ersten Sonnenstrahlen den Weg zum Schiff. Der Wind schlief ein, das Groß bildete einen wassergefüllten Bauch unter dem Baum und das restliche Tuch drückte sich haltsuchend in die Wanten. Alle warteten gespannt auf die nächste Halse, bei der sich das ganze Wasser über die darunter Stehenden ergießen würde. Unsere DSC-Segler hatten eine ganz andere Vorstellung von einem gerefften Groß und bewunderten stumm dieses Kunstwerk.
Mittlerweile deutete der Geruch aus der Kombüse stark auf ein leckeres Mittagessen hin. Das lockte an die Teller.
Und dann kam es doch noch, das sonnig schöne Wetter, genau passend, um das Wochenende wunderschön abzurunden. Der Kapitän warf den Motor an und die Mannschaft holte die Segel ein und machte klar Schiff. In den Kajüten wurde gepackt, die restlichen Getränke und das restliche Essen geteilt, Kombüse und Salon aufgeräumt und das Gepäck nach oben geholt. So war kurz nach dem Anlegen alles fertig für das Verlassen des Schiffes. Nachdem die Autos geholt und alles Gepäck verstaut war, verabschiedeten wir uns, jeder von jedem, herzlich, mit dem Wissen: In zwei Jahren ist der nächste Törn. Und was immer er uns bietet, er wird genauso einzigartig werden wie es der diesjährige war und die vorigen gewesen sind.
Den Törn haben nicht nur Erwachsene mitgemacht. Wir hatten auch die vier jungen Burschen Tijs, Benne, Moritz und Levi dabei. Sie sollen ebenfalls einmal zu Wort kommen. Daher haben wir ein Interview mit ihnen gemacht.
Moritz: Es war ein sehr abenteuerliches Wochenende. Wir haben sehr viel erlebt und sehr viel zusammen gemacht. Wir hatten teilweise gutes Wetter, teilweise Regen. Bei der Hinfahrt konnten wir nicht soviel segeln. Jetzt segeln wir. Aber das Segel ist gerade ein bisschen kaputt, deswegen sind wir sehr langsam.
Marcus: Was war das Schönste?
Moritz: Am schönsten fand ich das Krebseangeln oder das Zusammensein.
Marcus: Levi, möchtest du auch was sagen?
Levi: Nee.
Siggi: Aber du hast doch den Eimer gekauft.
Levi: Nein.
Siggi: Ihr habt den zusammen gekauft? Und wieviele Krebse hattet ihr am Ende?
Levi: Fünfzehn.
Moritz: Heute Morgen haben wir fünfzehn Krebse gefangen und ganz viele Quallen. Und gestern hatten wir elf. Also hatten wir insgesamt sechsundzwanzig Krebse.
Siggi: Ach du meine Güte. Da hätten wir ja alle von essen können. Habt ihr schonmal welche gegessen?
Moritz: Ja
Levi: Ja
Marcus an Levi: Was war denn für dich am besten?
Levi: Ja, schon das Krebseangeln, aber auch das Segeln.
Marcus: …und das in jeder Ecke Süßigkeiten standen?
Levi: Das war auch sehr gut.
Marcus an Benne: Und du? Hast du auch irgendwas super gefunden?
Benne: Ja, auch das Krebseangeln und insgesamt das ganze Erlebnis.
Auf Siggi’s Frage nach der Technik des Krebseangelns erklärte Moritz detailliert den gesamten Vorgang. Möglicherweise haben sie auch soviele Krebse gefangen, weil sie Mettwurst als Köder hatten. Damit ihnen auch kein Krebs entwischt, hatten sie sich beim Kapitän einen Kescher organisiert.
Auch Tijs meldete sich noch zu Wort: Das Einzige was ich sagen möchte - mir hat alles gefallen.
Dem hat auch ein Pressewart nichts mehr hinzuzufügen.
Immer eine Handbreit Sonne zwischen den Wolken - Siggi Bender
